Azubis der Generation Z: Was junge Menschen heute von einem Ausbildungsbetrieb erwarten

Azubi lernt hobeln.
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Gute Ausbildungsplätze sind im Handwerk gefragt. Gleichzeitig konkurrieren kleine Betriebe mit größeren Unternehmen um junge Menschen. Dabei geht es nicht allein um die Höhe der Ausbildungsvergütung. Junge Menschen achten auch auf das Arbeitsklima, die Betreuung, planbare Arbeitszeiten und die Frage, was sie im Betrieb tatsächlich lernen können.

Der aktuelle DGB-Ausbildungsreport 2026 zeigt: 65,7 Prozent der befragten Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden. Gleichzeitig erleben viele Azubis Belastungen durch Zeitdruck, Personalmangel oder fehlende Ansprechpartner. 35,4 Prozent leisten regelmäßig Überstunden, 16,3 Prozent übernehmen immer oder häufig Tätigkeiten, die nicht zur Ausbildung gehören.

Für Handwerksbetriebe steckt darin eine wichtige Erkenntnis: Junge Menschen erwarten keine Sonderbehandlung. Sie wollen wissen, was sie lernen, wie der Arbeitsalltag aussieht und welchen Platz sie im Betrieb haben.

Was erwarten junge Menschen von einem Ausbildungsbetrieb?

Die Generation Z ist keine homogene Gruppe. Nicht jeder junge Mensch hat dieselben Vorstellungen von Arbeit, Freizeit oder Ausbildung. Trotzdem lassen sich aus aktuellen Befragungen einige Punkte ableiten, die für die Wahl eines Ausbildungsbetriebs eine wichtige Rolle spielen.

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass junge Menschen zunächst darauf achten, ob ein Ausbildungsplatz für sie überhaupt infrage kommt. Erst danach spielen zusätzliche attraktive Angebote eine Rolle. Informationen über Ausbildungsvergütung und Bewerbungsverfahren gehören dabei zu den Punkten, über die sich Jugendliche frühzeitig informieren möchten.

Für einen Handwerksbetrieb bedeutet das: Nicht nur gute Bedingungen schaffen, sondern auch zeigen, was den eigenen Ausbildungsplatz ausmacht.

1. Ein gutes Arbeitsklima

Ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Ausbildern gehört für junge Menschen zu den wichtigsten Faktoren bei der Wahl eines Ausbildungsbetriebs. Der DGB nennt für die Betriebswahl unter anderem ein positives Arbeitsklima.

Gerade kleine Handwerksbetriebe haben hier einen Vorteil: Die Zusammenarbeit ist oft persönlicher als in einem großen Unternehmen. Der Azubi arbeitet nicht irgendwo im Konzern, sondern kennt den Chef, den Ausbilder und das Team.

Das funktioniert allerdings nur, wenn der Umgang im Alltag dazu passt.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Fehler sachlich besprechen statt den Azubi vor dem Team bloßzustellen
  • Fragen zulassen
  • Arbeitsschritte erklären
  • Fortschritte anerkennen
  • Kritik konkret formulieren
  • regelmäßig nachfragen, wie es in Betrieb und Berufsschule läuft

Ein Azubi sollte wissen, an wen er sich wenden kann, wenn etwas nicht funktioniert.

2. Eine Ausbildung, in der tatsächlich etwas gelernt wird

Auszubildende kommen in den Betrieb, um einen Beruf zu lernen. Hilfsarbeiten gehören zum Arbeitsalltag, sie dürfen aber nicht den Kern der Ausbildung ersetzen.

Im Ausbildungsreport 2026 geben 16,3 Prozent der Befragten an, immer oder häufig Tätigkeiten erledigen zu müssen, die nicht Bestandteil ihrer Ausbildung sind und nicht zum Lernerfolg beitragen.

Für Handwerksbetriebe bedeutet das: Ein Azubi sollte nicht nur mitlaufen, Material holen oder aufräumen. Er sollte Schritt für Schritt eigene Tätigkeiten übernehmen und verstehen, warum etwas auf eine bestimmte Weise ausgeführt wird.

Gerade im Handwerk lässt sich Ausbildung sehr praxisnah gestalten. Ein junger Anlagenmechaniker kann beispielsweise nicht nur Material tragen, sondern lernen, wie eine Installation vorbereitet, ausgeführt und kontrolliert wird. Ein Tischler kann vom Zuschnitt bis zur Montage an einem Projekt beteiligt sein.

Verantwortung sollte dabei mit den Fähigkeiten wachsen.

3. Gute Betreuung durch den Ausbilder

Ein Ansprechpartner, der bei Fragen erreichbar ist, gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine funktionierende Ausbildung.

Der DGB-Ausbildungsreport 2026 zeigt einen Zusammenhang zwischen Betreuung und Belastung: Sind Ausbilder regelmäßig verfügbar, berichten wesentlich weniger Befragte von einer hohen psychischen Belastung als bei seltenem oder fehlendem Zugang zu einem Ansprechpartner.

Das muss in einem kleinen Betrieb nicht bedeuten, jeden Tag eine Stunde für ein Ausbildungsgespräch zu reservieren.

Schon einfache Strukturen helfen:

  • kurze Besprechung am Morgen
  • feste Zeit für Fragen
  • Ausbildungsnachweise regelmäßig gemeinsam durchgehen
  • Aufgaben für den Tag erklären
  • nach größeren Arbeiten kurz besprechen, was gut lief und was beim nächsten Mal anders gemacht wird

Gerade diese kurzen Gespräche können einen großen Unterschied machen.

4. Planbare Arbeitszeiten

Auch junge Menschen wissen, dass Handwerk nicht immer exakt nach Uhr läuft. Baustellen, Kunden und Liefertermine lassen sich nicht vollständig planen.

Trotzdem wünschen sich Auszubildende verlässliche Arbeitszeiten. Der DGB-Ausbildungsreport 2026 nennt planbare Arbeitszeiten ausdrücklich als wichtigen Bestandteil guter Ausbildung. Gleichzeitig leisten 35,4 Prozent der befragten Azubis regelmäßig Überstunden.

Für einen Ausbildungsbetrieb lohnt sich deshalb ein Blick auf die eigene Planung:

  • Sind Arbeitszeiten für den Azubi nachvollziehbar?
  • Werden zusätzliche Arbeitszeiten rechtzeitig angekündigt?
  • Werden Berufsschulzeiten berücksichtigt?
  • Gibt es einen festen Ansprechpartner für die Einsatzplanung?
  • Werden Pausen eingehalten?

Planbarkeit ist dabei nicht dasselbe wie ein vollständig starrer Arbeitstag. Es geht darum, dass junge Mitarbeiter wissen, was auf sie zukommt.

5. Eine faire Ausbildungsvergütung

Geld ist nicht alles – aber Geld ist für Azubis ein wichtiger Teil der Entscheidung.

Laut DGB-Ausbildungsreport 2026 geben 65,3 Prozent der befragten Auszubildenden an, von ihrer Ausbildungsvergütung weniger gut oder gar nicht selbstständig leben zu können. Fast ein Drittel ist auf zusätzliche Unterstützung der Eltern angewiesen.

Auch die Vergütungen unterscheiden sich im Handwerk je nach Beruf und Tarifgebiet. Das BIBB weist für 2025 beispielsweise tarifliche Durchschnittswerte von 985 Euro für Maler und Lackierer, 950 Euro für Bodenleger und 727 Euro für Friseure aus.

Für Betriebe bedeutet das: Die Vergütung sollte im Ausbildungsangebot transparent genannt werden. Dazu gehören auch zusätzliche Leistungen, falls es sie gibt – etwa Zuschüsse zum Deutschlandticket, Fahrtkosten, Arbeitskleidung oder vermögenswirksame Leistungen.

6. Eine Perspektive nach der Ausbildung

Für viele junge Menschen endet die Frage nach dem Ausbildungsplatz nicht mit dem ersten Arbeitstag. Sie wollen wissen, welche Möglichkeiten sich nach der Ausbildung ergeben.

37,1 Prozent der Auszubildenden im letzten Ausbildungsjahr wissen laut DGB-Ausbildungsreport 2026 noch nicht, ob sie von ihrem Betrieb übernommen werden.

Ein Handwerksbetrieb muss bei Ausbildungsbeginn keine Übernahme garantieren, wenn die spätere Situation noch nicht absehbar ist. Trotzdem kann er Perspektiven aufzeigen.

Zum Beispiel:

  • Welche Tätigkeiten kann der Azubi nach der Ausbildung übernehmen?
  • Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?
  • Ist eine Spezialisierung möglich?
  • Kann später ein Meisterabschluss unterstützt werden?
  • Gibt es Möglichkeiten, Verantwortung auf der Baustelle zu übernehmen?
  • Welche Entwicklung ist im Betrieb grundsätzlich möglich?

Gerade kleine Betriebe können mit einer persönlichen Perspektive punkten.

7. Respekt statt „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“

Der Satz ist alt, die Arbeitswelt hat sich verändert.

Auszubildende müssen lernen, Verantwortung übernehmen und sich in einen Betrieb einfügen. Gleichzeitig ist der Ausbilder dafür verantwortlich, eine fachlich gute Ausbildung zu ermöglichen.

Respekt funktioniert deshalb in beide Richtungen.

Ein Azubi darf erwarten, dass ihm Arbeit erklärt wird. Der Betrieb darf erwarten, dass er aufmerksam arbeitet, Fragen stellt, Anweisungen beachtet und sich um seinen Ausbildungserfolg bemüht.

Eine gute Ausbildung bedeutet nicht, dass der Chef jeden Fehler auffängt. Sie bedeutet, dass Fehler als Teil des Lernprozesses genutzt werden.

8. Ehrliche Informationen schon vor der Bewerbung

Viele Betriebe schreiben in ihre Ausbildungsanzeige Dinge wie „junges Team“, „abwechslungsreiche Aufgaben“ und „gute Aufstiegsmöglichkeiten“. Für Jugendliche sind solche Aussagen wenig hilfreich, wenn sie nicht mit konkreten Informationen verbunden sind.

Eine Studie von Bertelsmann Stiftung und IW zeigt eine Informationslücke: Fast 95 Prozent der befragten jungen Menschen halten Angaben zur Ausbildungsvergütung für wichtig. Nur rund 60 Prozent der Unternehmen stellen diese Information bereits vor dem Bewerbungsgespräch bereit. Mehr als neun von zehn Jugendlichen wünschen sich Informationen zum Ablauf des Bewerbungsverfahrens.

Eine gute Ausbildungsanzeige kann deshalb ganz konkret sein:

Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK

  • Ausbildungsvergütung: X Euro im 1. Jahr
  • Arbeitszeit: Montag bis Freitag, X bis X Uhr
  • Berufsschule: X
  • Einsatzgebiet: maximal X Kilometer
  • Arbeitskleidung wird gestellt
  • Führerschein wird unterstützt
  • feste Betreuung durch den Meister
  • eigener Werkzeug-Grundstock ab dem X. Ausbildungsjahr
  • Übernahme nach erfolgreicher Ausbildung vorgesehen

Damit weiß ein Bewerber wesentlich besser, was ihn erwartet.

Was kleine Handwerksbetriebe Azubis bieten können

Nicht jeder Betrieb kann mit einem großen Unternehmen beim Gehalt oder bei einer langen Liste von Benefits mithalten. Das muss aber nicht bedeuten, dass ein kleiner Betrieb bei jungen Menschen keine Chance hat.

Gerade im Handwerk können andere Faktoren interessant sein:

Was junge Menschen suchenWas ein kleiner Handwerksbetrieb bieten kann
Persönliche Betreuungfester Ansprechpartner
Gutes Arbeitsklimakleines, eingespieltes Team
Praxiseigene Aufgaben auf echten Baustellen
Entwicklungschrittweise mehr Verantwortung
PerspektiveÜbernahme und Weiterbildung
Planbarkeitklare Einsatzplanung
Transparenzkonkrete Angaben zur Ausbildung
WertschätzungFeedback und Anerkennung

Entscheidend ist nicht, möglichst viele Benefits aufzulisten. Entscheidend ist, dass das Versprechen aus der Ausbildungsanzeige später auch im Alltag wiederzufinden ist.

Ausbildung ist auch Marketing

Ein guter Ausbildungsplatz spricht sich herum.

Der Ausbildungsmarkt bleibt für Betriebe anspruchsvoll. Nach Angaben des BIBB wurden 2025 rund 476.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Jugendlichen, die zum Stichtag noch eine Ausbildungsstelle suchten, auf rund 84.400.

Für Handwerksbetriebe bedeutet das: Ausbildung ist nicht nur Personalentwicklung. Sie ist auch ein Teil des eigenen Arbeitgeberauftritts.

Ein zufriedener Azubi kann Freunden erzählen, wie der Arbeitsalltag wirklich aussieht. Bilder von Projekten, Einblicke in den Ausbildungsalltag oder kurze Videos können ebenfalls zeigen, was einen Betrieb ausmacht.

Dabei muss es nicht nach Hochglanzwerbung aussehen. Gerade echte Einblicke in Werkstatt und Baustelle können für Jugendliche interessanter sein als gestellte Werbefotos.

Fazit: Junge Menschen wollen wissen, worauf sie sich einlassen

Die Generation Z hat keine einheitliche Wunschliste. Junge Menschen unterscheiden sich genauso wie ältere Beschäftigte.

Einige Erwartungen tauchen in aktuellen Studien jedoch immer wieder auf: ein gutes Arbeitsklima, fachliche Betreuung, planbare Arbeitszeiten, eine angemessene Vergütung, sinnvolle Ausbildungsinhalte und eine Perspektive nach dem Abschluss.

Für Handwerksbetriebe ist das keine Frage eines großen Budgets. Vieles beginnt mit klarer Kommunikation und einer guten Organisation der Ausbildung.

Der wichtigste Schritt kann deshalb ganz einfach sein: Den eigenen Ausbildungsplatz einmal aus Sicht eines 16- oder 17-Jährigen betrachten. Ist sofort erkennbar, was gelernt wird? Ist klar, wer anleitet? Stehen Vergütung und Arbeitszeiten dabei? Und weiß der Bewerber, was ihn am ersten Arbeitstag erwartet?

Je konkreter die Antworten ausfallen, desto leichter können junge Menschen einschätzen, ob der Betrieb zu ihnen passt.

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