Du kennst es sicher: Ein Azubi, der ständig damit rechnet, dass etwas schiefläuft. Solche pessimistischen Einstellungen können dir als Ausbilder richtig Energie rauben – und auch das Betriebsklima belasten. Doch bevor du voreilig urteilst, lohnt sich ein Blick hinter die Fassade. Denn Pessimismus ist meist keine „dumme Laune“, sondern oft eine erlernte Schutzstrategie, mit der junge Menschen sich vor Enttäuschungen schützen wollen.
Warum pessimistische Lehrlinge oft so denken
Viele Lehrlinge, die eher negativ eingestellt sind, glauben nicht an ihre eigenen Fähigkeiten oder erwarten automatisch das Schlimmste. Diese Haltung entsteht nicht selten durch frühere Erfahrungen oder Vorbilder, bei denen Lob und Erfolg selten waren. Was du als Ausbilder sofort merkst: Solche Jugendlichen sehen sich schnell als Opfer der Umstände und verlieren dadurch Motivation und Tatendrang.
1. Zeig echtes Interesse und Verständnis
Bevor du versuchst, den „Pessimismus auszumerzen“, solltest du verstehen, woher er kommt. Nimm dir Zeit für ein offenes Gespräch in ruhiger Atmosphäre. Frag mit offenen Fragen, was deinem Lehrling Sorgen bereitet und hör wirklich zu. Empathie ist hier der Schlüssel, denn erst wenn ein Mensch sich verstanden fühlt, kann er auch an sich selbst glauben.
2. Unterscheide klar zwischen Person und Verhalten
Wenn du mit deinem Lehrling sprichst, achte darauf, sachlich zu bleiben. Echte Bedenken sind wichtig und verdienen Aufmerksamkeit – aber pauschale negative Aussagen behindern nur die Entwicklung. Trenne immer die Person von der Situation: „Ich sehe, dass du dir Sorgen machst“ statt „Du bist immer so negativ“.
3. Übernimm Führung – aber setze auch Grenzen
Ein gutes Gespräch braucht Klarheit: Lobe Fortschritte, aber sei auch ehrlich, wenn Verhalten dem Team schadet. Destruktive Sprüche ohne konstruktiven Inhalt solltest du nicht einfach stehen lassen. Grenzen setzen heißt hier, anzuerkennen, was gut läuft, und gleichzeitig deutlich zu machen, was so nicht funktioniert.
4. Schaffe kleine Erfolgserlebnisse
Das A und O beim Aufbau von Selbstvertrauen sind Erfolgserlebnisse. Gib deinem Lehrling Aufgaben, die er gut bewältigen kann – und wenn er sie gemeistert hat, lobe das konkret und wertschätzend. Solche kleinen Siege führen dazu, dass er Schritt für Schritt seine Selbstwahrnehmung ändert und anfängt, an sich zu glauben.
5. Gemeinsam nach vorne blicken
Sprich mit deinem Azubi nicht nur über Fehler oder Probleme, sondern vor allem über Ziele und Wege, wie diese erreichbar sind. So lenkst du seine Energie von der Angst vor Misserfolg in eine konstruktive Zukunftsplanung. Unterstütze ihn dabei, eigene Stärken zu erkennen und darauf aufzubauen.
Warum sich der Aufwand lohnt
Ein selbstbewusster Lehrling ist nicht nur für dich als Ausbilder eine Erleichterung – er ist motivierter, offener für Neues und trägt zu einem positiven Betriebsklima bei. Und nicht zuletzt stärkst du damit einen jungen Menschen für den gesamten weiteren Lebensweg.
Wenn du diese Tipps beherzigst, kannst du nicht nur isolierte Pessimismus-Phasen aufbrechen, sondern deinem Azubi helfen, eine realistische, selbstbestimmte Haltung zu gewinnen – weg vom Schwarzsehen, hin zu mehr Selbstvertrauen.
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